Eins

Noch eine Woche.
Ein Examen.
Ein Flug.
Dann bin ich zuhause.

Der Tag kommt immer immer näher und so langsam gerate ich wieder in dieses Gefühlschaos. Ich freue mich zurück zu kommen, aber gleichzeitig bin ich traurig hier weg zu müssen.
Jedoch das, was alles überlagert, ist die Tatsache, dass ich nach Hause FLIEGE. Flugzeuge sind nette Transportmittel, aber trauen tue ich ihnen überhaupt nicht. Klar, ich liebe das Gefühl in der Luft zu sein, aber der Stress bis man endlich da ist, den mag ich nicht so wirklich. Zum Glück fliege ich dieses Mal nicht vom Monster-Flughafen Heathrow sondern von einem kleineren, hoffentlich habe ich dann weniger Panik.

Heute hatte ich auch meine erste Verabschiedung. Das CAB (ich arbeite dort ehrenamtlich) hat mich mit einer Karte, einem kleinen Geschenk und einem Haufen Umarmungen verabschiedet. Es war schön aber auch traurig. Ich hatte eine tolle Zeit dort und alle waren so nett. Ohne das CAB hätte ich nicht die Chance gehabt mehr über den Alltag hier zu erfahren und wie andere englische Leute so denken.
Abschiede werden wahrscheinlich noch mehrere kommen, ich freue mich nicht drauf.

Aber in Deutschland gibt es schon eine Menge Leute, die gefragt haben wann ich den zurückkomme und ob ich Zeit für sie habe und und und. Wie es aussieht muss ich erstmal sehr viel Zeit mit Besuchen verbringen. Das ist jedoch etwas worauf ich mich freue, jedoch sollte ich mir anfangen Gedanken zu machen, was ich gefragt werden könnte, man will ja vorbereitet sein.

Mit dem Kofferpacken fange ich auch morgen an. Momentan bin ich dabei meine Schulsachen durch zu sortieren und zu entscheiden, was ich in Deutschland brauchen könnte oder nicht. Bis jetzt war mir nicht wirklich klar, wie viele Zettel ich dieses Jahr beschrieben und aufbewahrt habe.

Ostern

Dieses Jahr war glaube ich das unfeierlichste Ostern das ich je hatte.
Grund ist, mein ganzes Leben lang hatten wir Traditionen wie Besuch der Osternacht und Ostereiersuchen am Morgen.
Hier in England war ich nicht in der Kirche, wir haben keine Eier versteckt und irgendwie hat meine Familie gefehlt. Es war schade, dass es so wie ein normales Wochenende gewirkt hat.

Jedoch habe ich Ostereier gefärbt. Allein. Meine Gastschwester ignoriert ja jeden und meine Gastmutter hat das Ganze kritisch aus der Ferne beobachtet, war jedoch am Ende ziemlich begeistert. Sie hat sogar vorgeschlagen noch mehr Eier zu färben und ich musste sie stoppen, sonst hätten wir am Ende noch 20 Eier gehabt. Was definitiv zu viel gewesen wäre.

Falls ihr es nicht wusstet: in England gibt es nicht die Tradition Eier zu färben, meine Mutter hatte mir jedoch Farben geschickt. Ein ganz neues Erlebnis für sie also.

Wie gesagt, wir haben nichts sonderlich Spezielles gemacht.
Mal abgesehen davon, dass das Finale von „the voice“ war, aber keiner unserer Favoriten hat gewonnen und das Siegerlied ist jetzt nicht so mitreißend, also alles ein wenig enttäuschend.
Diese Woche werde ich mit Lernen verbringen und ja, Ferien sind nicht so spannend.

Benehmen

“I am always saying „Glad to’ve met you“ to somebody I’m not at all glad I met. If you want to stay alive, you have to say that stuff, though.”- J. D. Salinger, The Catcher in the Rye

Heute Morgen bin ich mit einem kleinen Schock aufgewacht.
Über die letzten zwei Wochen bin ich ausnahmslos jeden Tag gegen 6/7 Uhr aufgewacht und heute Morgen war es plötzlich halb neun als ich das erste Mal auf mein Handy geguckt habe. Das ist jetzt nicht etwas worüber man sich sonderlich beklagen kann, jedoch war immer noch so müde. Der Rest des Hauses war noch nicht wach, was ich erst nicht sonderlich hinterfragt habe, da Evelyn und Jim gestern in London waren und Gloria ja sowieso nie ihr Zimmer verlässt. Somit habe ich mein Bett erstmal nicht verlassen und im Stillen vor mich hin gegrübelt was ich den übersehen haben könnte.

Irgendwann bin ich jedenfalls aufgestanden und Evelyn hat mich dann erinnert, dass die Uhr heute Nacht umgestellt wurde. Wieso hab ich das vergessen? Ist ja nicht so als hätten wir extra vom College eine E-Mail dazu bekommen, da unsere Betreuer Angst haben wir hätten noch nie davon gehört. Jedenfalls mein Handy war besser informiert als ich und hat sich von allein umgestellt, was den extremen Zeitsprung in meiner Aufwachzeit erklärt. (Mein Laptop hat anscheinend das Gleiche gemacht, nur meine Uhr, die darf ich noch manuell umstellen)

Wie gesagt gestern waren Evelyn und Jim in London und ich war allein hier mit Kater und Gloria, zumindest habe ich das angenommen.
Als es gegen Mittag aufgehört zu regnen hat war die Katze draußen und ich bin auch spazieren gegangen. Ab fünf durfte ich dann mit der Katze in der Küche sitzen und mit ihm spielen, weil er wieder einen seiner schrägen Spiel-mit-mir-oder-ich-mache-Heulgeräusche-vor-deiner-Zimmertür-Attacken hatte. Jedenfalls hab ich mir ein Buch mit runtergenommen um im Wohnzimmer zu lesen, weil er meistens einfach nur mit einem Menschen im gleichen Raum sein will. Mein Plan ist nicht aufgegangen, da er wieso auch immer beschlossen hat das der perfekte Ort zum rumliegen mein Schoß wäre. Hätte er sich hingelegt und nix gemacht wäre das kein Problem gewesen, aber nein er musste ja unbedingt versuchen auf meine Schulter zu klettern. Es hat nicht funktioniert.
Nach seinem gescheiterten Kletterversuch hat er dann beschlossen sein Essen haben zu wollen. Theoretisch kein Problem, praktisch sieht das jedoch ganz anders aus. Wenn man versucht das Essen auf seinen Teller zu befördern versucht er zur gleichen Zeit deine Hand mit dem Essen wegzustoßen, da er zu seinem noch leeren Teller will. Des Weiteren hat er diesen Tick, dass wenn zu viel Essen auf seinem Teller liegt er es nicht essen wird. Also gibt man ihm erst eine und dann später die andere Hälfte. Ich weiß nicht was mit dieser Katze falsch ist, aber die Tatsache das er sich wie ein Kleinkind aufführt ist extrem nervig.

Irgendwann habe ich es dann geschafft ihn satt zu kriegen und mir selbst auch Essen zu machen. Anschließend haben wir dann zusammen TV geguckt (und das klingt jetzt als wäre ich eine einsame alte Katzendame) Normalerweise hätten Evelyn und Jim mitgeguckt, aber sie waren noch nicht von ihrem Bustrip zurück.

Gegen Acht habe ich dann jemanden an der Haustür gehört und dachte sie wären zurück (was seltsam wäre, da sie erst gegen elf zurück sein wollten), also bin ich in den Flur gegangen um Hallo zu sagen. Zu meiner Überraschung war der ganze Flur voller Asiaten, die mich knallhart ignoriert haben. Den ganzen Tag über hatte ich angenommen, dass Gloria in ihrem Zimmer hockt und chinesische Soaps guckt, wie immer, anscheinend hat sie das jedoch nicht getan.

Ich weiß nicht was falsch mit meiner Gastschwester ist, aber wenn man eine Haufen Freunde vorbei bringt und ich im selben Raum bin wäre es meiner Meinung nach angebracht mich zu grüßen oder vielleicht sogar mal ihren Freunden vorzustellen oder so. Nein das kann sie natürlich nicht und ich bin zurück ins Wohnzimmer geflüchtet weil mir das einfach zu schräg war.
Ich hab ja mittlerweile mitbekommen, dass sie mich nicht so wirklich leiden kann und wir null Interessen teilen, aber nichtsdestotrotz leben wir im gleichen Haus und ich sag immer Hallo zu ihr, bin nett, kümmre mich um die Katze damit sie ihr Pflichtenfreies Leben fortsetzen kann, helfe ihr wenn sie mal beschließt ich solle ihr helfen und als dank werde ich den Rest der Zeit ignoriert. Es ist einfach normal Freunde vorzustellen, ich meine das mache ich doch auch und Evelyn und Jim stellen uns auch ihre Freunde vor wenn sie vorbei kommen; uns zu ignorieren hilft nicht wirklich beim Zusammenleben.

Time

“Yesterday is gone. Tomorrow has not yet come. We have only today. Let us begin.” – Mother Teresa

Wiedermal ist es eine ganze Weile her, seitdem ich das letzte Mal was geschrieben habe. Meine Ausrede: keine Zeit.
Seit die Ferien vorbei sind ist eine ganze Menge passiert.

Am Wochenende war ich erst in London und dann in York, worüber ich wenn ich Zeit und Lust habe nochmal einen Bericht hochladen werde. Es war sehr schön, jedoch hatte ich keine Zeit mal auszuschlafen oder zu lernen.
Ja, lernen. Es sind nur noch knapp acht Wochen bis zur Klausurphase und ich weiß viel zu wenig. Seit dieser Woche haben wir mit unseren extra Stunden angefangen, weswegen zwei meiner Freistunden gestrichen wurden und wir bekommen jetzt auch mehr Hausaufgaben.

Letzten Dienstag hatte ich dann ein Treffen mit meiner Austausch-Organisation. Wieder gestrichene Freistunden. Aber es ist alles bestens und mein Rückflug wird jetzt so langsam organisiert.
Es ist ein wenig gruselig, die Zeit vergeht so schnell und wenn alles klappt werde ich in 15 Wochen/3,7 Monaten wieder zuhause sein.
Ehrlich gesagt, weiß ich nicht so wirklich ob mich das jetzt freuen oder traurig machen soll. Klar hätte ich nichts dagegen zuhause alle wiederzusehen und zum alten Tagesablauf zurück zu kehren, aber irgendwie will ich auch hier weiterbleiben. England ist zu einer zweiten Heimat geworden und wenn ich darüber nachdenke will ich das eigentlich nicht aufgeben.

Momentan habe ich jetzt auch angefangen verstärkt im „Citizens Advice Bureau“ auszuhelfen. Heute zum Beispiel hatten wir eine Art Kuchennachmittag wo unsere Arbeit vorgestellt und für neue Volunteers geworben wurde. Es war sehr interessant und schonwieder habe ich eine Menge neuer Leute kennengelernt. Was eigentlich jedes Mal der Fall ist. Ich weiß nicht wie viele Leute dort arbeiten, aber nach zwei Monaten habe ich anscheinend immer noch nicht alle getroffen.

Während ich verschiedenen Leuten die Arbeit an der Rezeption erklärt und gezeigt habe sind wir öfters mal auf mein Alter und Englischkenntnisse zu sprechen gekommen. Meine English ist angeblich sehr gut (auch wenn ich glaube, dass sie das nur aus Höflichkeit sagen), mein Alter hat mich jedoch erschreckt. Fünf verschiedene Leute waren der Meinung ich wäre Anfang zwanzig. Ja… Das ist seltsam, ich bin 16, aber egal.

Half Term ist jetzt schon fast vorbei und diese Woche habe ich endlich einige Dinge geschafft:
1. Am Wochenende hatten wir Besuch von einer ehemaligen Austauschschülerin aus Bulgarien. Mit ihr haben wir einen Ausflug nach Skegness unternommen und ich habe es endlich geschafft das Meer zu sehen.
Wie auch schon in Hastings erinnert die Anlage am Strand an einen Jahrmarkt. Jedoch war aufgrund der Temperaturen alles geschlossen.


2. Heute habe ich endlich mal wieder Klavier gespielt. Es ist jetzt eine Weile her, aber nach einer Stunde üben bin ich jetzt wieder in der Lage Adele fließend zu spielen. Mozart klappt noch nicht so richtig, aber es ist Mozart also kein Wunder.
Meinen Beobachtungen nach macht es viel mehr Spaß nur für sich selbst zu spielen und nicht diesen Übungsdruck zu haben. Es klappt viel besser einfach so.
Jedoch vermisse ich auf einem richtigen Klavier zu spielen. Ich habe nichts gegen E-Klaviere, aber original aus Holz und ohne jede Elektrizität ist sehr viel besser.
3. Nebenbei versuche ich etwas für die Schule nachzuholen, aber zu mehr als 30 Minuten am Tag kann ich mich nicht motivieren. Es sind noch über 5 Monate Zeit, ich komme noch irgendwann dazu.
4. Seitdem ich in Word schreibe sehe ich immer diesen kleinen Wörterzähler unten links, der mich dazu bringt mehr zu schreiben, weil nur knapp 200 Wörter hochzuladen kommt mir zu wenig vor, weshalb es hier jetzt weitergeht.
5. Mein Plan 4 neue Bücher im Monat zu lesen klappt bis jetzt ganz gut, auch wenn ich aufgrund der Examen ein wenig hinterherhänge. Noch anderthalb Wochen und zwei Bücher, mal sehen.